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Ich tue, was ich nicht will – Das Römer 7 Ding

Es gibt ein paar berühmte Verse im Römerbrief Kapitel 7, die man immer wieder im Zusammenhang mit dem Versagen von uns Christen hört. Sie werden zitiert wie eine Bestätigung und Begründung für Schwachheit, Niederlage und sündigem Lebensstil. Auch bringen diese Verse viel Unsicherheit für die, die nicht fest sind. Zeit, Klarheit zu bringen! Und das machen wir in diesem Kapitel, hauptsächlich mit Schriftstellen, die dann schon für sich Erkenntnis bringen werden. Dafür schauen wir uns als erstes diese Verse einmal an (ein längeres Stück, bitte lies es ganz, um den allgemeinen Eindruck zu bekommen, den dieser Abschnitt mit sich bringt):

Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft; denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht, was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, dass es gut ist. Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht. Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. Ich finde also das Gesetz, dass bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist. Denn ich habe nach dem inneren Menschen Wohlgefallen am Gesetz Gottes. Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes? Römer 7, 14- 24

Wow. Ernüchternde Worte. Worte, die nicht gerade von einem siegreichen Leben sprechen. Worte, die sich so anhören, als müsste ich die Herrschaft der Sünde, welche auch noch in mir ist, akzeptieren und kann nichts dagegen tun, selbst wenn ich wollte! Verdammt ein Sünder zu sein. Man kann nur hoffen, dass man nicht zu viel sündigt. Ich elender Mensch!

Paulus redet von sich als einer Person, die das Gute will, aber nicht tun kann. Ja, er sagt sogar, dass er das Böse, was er nicht will, tatsächlich tut! Wie deprimierend! Es geht noch weiter: Paulus beschreibt das Ganze als ein Gesetz, das in ihm ist. Lies es noch mal nach in Vers 21. Paulus meint damit nicht das Gesetz Gottes, sondern eine gesetzte Wirksamkeit, eine unabwendbare Folge: er muss das Böse tun, obwohl er es nicht will! Ganz speziell wird es noch damit, dass Paulus meint, dass nicht er dieses Böse wirklich vollbringt, sondern die in ihm wohnende Sünde! Wow, soviel zum Thema „einen Schuldigen für meine Fehler suchen“. Erinnert an Adam und Eva im Garten Eden. „Die Schlange wars!“ „Die Frau wars! Die übrigens du Gott mir gegeben hast!“

Versklavt und verdammt unter diese Macht der Sünde und ohne Chance auf Rettung… oder etwa doch? Man muss kein Bibelprofi sein, 5 Jahre Theologie studiert haben, oder sonst welche geistlichen Titel haben, um zu merken, dass hier was nicht stimmen kann. Im Grunde reicht es mit offenem Herzen zusammen mit dem Heiligen Geist die Kapitel 6 und 8 gelesen zu haben.

Römer 6

Ich empfehle meinem Englisch verstehenden Lesern mal Römer 6 in der PASSION Übersetzung zu lesen. Habe keine Übersetzung gefunden, die Römer 6 besser und klarer ausdrückt. Wirklich toll, voll am Ausdruck und Offenbarung des Textes entlang, aber befreit von dem holprigen „Elberfelder- Deutsch“. Ich übersetze nur mal die Abschnittsüberschriften aus der PASSION Übersetzung von Römer 6 hier:

„Der Triumph der Gnade über die Sünde“

„Die Herrschaft der Sünde ist vorbei“

„Gnade befreit uns, um Gott zu dienen“

Du verstehst schon, oder? Allein die Überschrift beißen sich aufs Extremste mit den Aussagen aus Römer 7, die wir gerade gelesen haben. Doch lass uns mal ein paar „Elberfelder-Verse“ aus Römer 6 anschauen.

Auf keinen Fall! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie werden wir noch in ihr leben? Vers 2

Wir sind der Sünde gestorben und als Resultat scheint es wohl die Möglichkeit zu geben, nicht mehr in ihr zu leben. Paulus in Römer 7, 14: „…ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.“  Hmmmm?!?

Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein; da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen. Verse 5 und 6

Der alte Mensche (die sündige Natur) ist „mitgekreuzigt“ und der „Leib der Sünde“ ist „abgetan“. Resultat: Wir dienen der Sünde nicht mehr, können also frei von ihr leben. Paulus in Römer 7, 18 und 20 (zu Erinnerung, derselbe Paulus aus Römer 6…): „Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt;“ und „Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.“ Hmmmm?!?

Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde. Vers 7

Mit Christus gestorben und freigesprochen von der Sünde. Paulus in Römer 7, 19: „Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ Hmmmm?!?

Denn was er gestorben ist, ist er ein für alle Mal der Sünde gestorben; was er aber lebt, lebt er Gott. So auch ihr: Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus! Verse 10 und 11

Ein für alle Mal der Sünde gestorben so wie Christus! Und so soll ich mich sehen: der Sünde gestorben, durch und in Christus aber lebendig! Paulus in Römer 7, 23: „Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.“ Hmmmm?!?

So herrsche nun nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass er seinen Begierden (besser: „Bedürfnissen“, Anmeldung des Autors) gehorche; stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit! Verse 12 und 13

Die Sünde soll NICHT herrschen! Sondern freigemacht von ihr, wählen wir nun unseren Herrn und stellen uns also Gott zur Verfügung. Paulus in Römer 7, 15 (immer noch derselbe Paulus aus Römer 6…): „denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht, was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus.“ Mach es mit mir: „Hmmmm?!?“

Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade. Was nun, sollen wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Auf keinen Fall! Vers 14

Dies ist ein Schlüsselvers. Was drückt er aus? Einen Herrschaftswechsel von Gesetz hin zu Gnade hat statt gefunden. Und das herrliche Resultat ist ein Leben frei von Sünde!

Was war mit Paulus los? Hat er in Römer 7 seine herrliche Offenbarung aus Römer 6 über den Haufen geworfen? Hat er es sich anders überlegt? War er verwirrt? Natürlich nicht!

Gesetz oder Gnade?

Römer 7 startet in Vers 1 so:

Wisst ihr nicht, Brüder und Schwestern – denn ich rede mit denen, die das Gesetz kennen –, dass das Gesetz nur herrscht über den Menschen, solange er lebt?

Er redet zu denen, die das Gesetz kennen. Das Thema von Römer 7 startet also mit dem Gesetz Gottes, sozusagen im Kontrast zur Freiheit durch Christus in Römer 6.

Er fährt fort, dass wir aber in Christus – wie in Römer 6 beschrieben – gestorben sind, also frei sind vom Gesetz.

Also seid auch ihr, meine Brüder und Schwestern, dem Gesetz getötet durch den Leib Christi, sodass ihr einem andern angehört, nämlich dem, der von den Toten auferweckt ist, damit wir Gott Frucht bringen. Römer 7, 4

Um dann weiter zu gehen, dass das Gesetz Gottes trotzdem gut war, nämlich ihm (Paulus beschreibt dann seine Erfahrung) seinen furchtbaren, ausweglosen Zustand zu zeigen, den Paulus dann in den zu Eingang erwähnten Versen aus Römer 7 beschreibt! Es muss uns doch klar sein, dass die Beschreibung aus Römer 7 voll auf jemanden zutrifft, der Christus nicht als Erlöser aufgenommen hat! Aus eigener Kraft kann niemand gerettet werden! Man braucht Jesus Christus! Das Gesetz beschreibt einen Standart, der nicht erfüllt werden kann ohne Gottes Hilfe (Christus). Paulus schreibt vorher in Römer 3 Vers 20:

Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Das Gesetz offenbart die Sünde, befreit aber nicht davon! Wir lesen im Galaterbrief, dass das Gesetz ein „Zuchtmeister“ auf Christus hin war. Also darin bestand, uns unseren absolut ausweglosen Zustand vor Augen zu halten, damit wir uns zu Christus – als unserem Erlöser von dem Problem Sünde – wenden!

Zwei Möglichkeiten für Römer 7

Paulus beschreibt in Römer 7 also zwei Möglichkeiten: Einen Menschen ohne Christus, der mit den gerechten Anforderungen des heiligen Gesetzes Gottes konfrontiert wird und seine Unfähigkeit erkennt, diese zu halten. Oder einen Christen, der versucht aus eigenen Werken und gesetzlicher Anstrengung vor Gott gerecht da zustehen (Ist das wirklich ein Christ?). Die Beschreibung würde auf beide Möglichkeiten passen. Aber eins ist sicher: Es beschreibt nicht deine Realität in Christus! Es beschreibt nicht das neue Leben aus Gott! Es beschreibt nicht deine Bestimmung! Es beschreibt nicht deine Identität! Es ist keine Ausrede für Sünde, Fehler und fleischlicher Schwachheit! Es beschreibt nicht das Leben eines geistgeleiteten Christen! Es beschreibt niemanden unter Gnade! Es beschreibt jemanden unter Gesetz, ohne Gnade, ohne Christus.

Unter dem Gesetz ohne die Gnade Christi muss man irgendwann schreien:

Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes? Römer 7, 24

Um dann, wie Paulus, die Rettung im nächsten Vers (dem letzten Vers in Römer 7) zu finden:

Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Römer 7, 25

Jesus Christus ist die Antwort!

(Römer 7, 25, der letzte Vers aus Römer 7, geht noch ein Stück weiter, was verwirrend scheint: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Also diene ich nun selbst mit dem Sinn dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.“ Er dankt Jesus, als die Lösung für sein Problem, um dann wieder zu wiederholen, was er gerade als unter dem Gesetz beschrieben hat? Schwer einzusehen. Was er meint ist das: Aus eigener Kraft, „im Fleisch“, dient er der Sünde, weil das Leben aus eigener Kraft bedeutet aus Gesetz zu leben, also im Fleisch zu leben. Selbst dann, wenn er mit dem Kopf dem Gesetz Gottes zustimmt. Auflösung des Ganzen findet sich nur im Kreuz.)

Und dann kommt die Antwort auf Römer 7:

Römer 8

 Also gibt es jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sandte und die Sünde im Fleisch verurteilte, damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln. Römer 8, 1- 4

Erinnerst du dich an Römer 7 Vers 21? „Ich finde also das Gesetz, dass bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist.“

Da hatten wir das unumstößliche Resultat eines Lebens unter Gesetz: Ich schaffe es nicht, es zu erfüllen! Dieses negative Resultat war ein Gesetz! Da gab es keine Ausnahmeregelung. Nun, in Römer 8, gibt es ein neues „Gesetz“, nämlich das „Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus“, also das, was Paulus vorher in Römer 6 so unmissverständlich dargelegt hat. Das Gesetz der Freiheit in Christus, die Freiheit von der Sünde. Das ist jetzt auch ein Gesetz! Es hat nämlich auch eine unmissverständliche und unumstößliche Folge, wenn man sich darüber identifiziert: Es gibt keine Verdammnis mehr, weil es keine Anklage mehr gibt, weil Christus das Gesetz für uns erfüllt hat und uns jetzt in Ihm die Gnade gibt aus Seiner Kraft in Gottes guten Wegen zu gehen! Die „Rechtsforderung des Gesetzes“ ist durch Christus in uns erfüllt, wenn wir gemäß dieser Wahrheit wandeln. Das bedeutet „im Geist wandeln“, also unter Gnade wandeln, denn „die Sünde wird nicht mehr über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade!“ (siehe Römer 6, 14)

Abschluss

Wir sollten deutlich, unmissverständlich und absolut klar sehen, dass Römer 7 nicht dem neugeborenen Christen gehört. Im Licht des Kontextes gibt es da meines Erachtens noch nicht mal den geringsten Zweifel! Man muss schon sehr viele Schriftstellen ignorieren (Und wir sind ja nur im Römerbrief mit einigen wenigen Stellen geblieben, es gibt so viel mehr!), um Römer 7 als „meine Realität als Christ“ zu interpretieren. Eigentlich nur möglich, wenn ich Römer 6 und 8 ignoriere und damit zeige, dass ich eigentlich absolut keine Kenntnis vom Evangelium habe.

Ich ahne eher folgendes: Römer 7 deckt sich so oft mit unserer Erfahrung. Daher scheint es Sinn zu machen, es auch als meine Realität zu interpretieren. Aber das ist menschliche Weisheit. Wir suchen in der Schrift nicht nach Bestätigungen unserer negativen Erfahrungen, wir suchen die Wahrheit der Schrift, damit sie anfängt unsere Erfahrungen zu bestimmen! Und unsere Realität ist Römer 6: Mit Christus gekreuzigt, mit Ihm begraben und mit Ihm auferweckt zu einem neuen Leben in Ihm! Nichts anderes! Glaube es wie ein Kind! Es ist ein Leben unter der Gnade, welches herrscht durch geschenkte Gerechtigkeit! Keine Sklaven der Sünde mehr, sondern tatsächlich befreit durch unseren wunderbaren Herrn Jesus Christus! Halleluja! Das ist das Evangelium! Die zweite Hälfte von Römer 7 ist es nicht!

Ich hoffe, das ist jetzt geklärt.

Conrad Max Gille

PS: Um in dem Thema tiefer zu gehen und auch umfassender, empfehle ich mein Buch „Freiheit ruft – Entdecke wer du wirklich bist und lebe im Sieg“. Zu erwerben unter www.conradmaxgille.de

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