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Gnade geben – Befähigung behalten

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden. Matthäus 7 Vers 1 bis 2

Man könnte die Verse aus Matthäus 7 so erklären: Wenn ich in etwas Befähigung habe, aber auf die herab sehe, die diese Befähigung nicht haben, dann verliere ich die Befähigung in dem Bereich auch.

Beispiel: Angenommen, Dir fällt es leicht gesund, gut und in Maßen (nicht Massen ;) zu essen. Dann triffst du jemanden, der das nicht kann und in deinem Herzen verachtest du die Person und denkst sowas wie: “Wenn er sich mehr anstrengen würde…”, “Was hat er für ein Problem?” “Der will einfach nicht.” “Der ist einfach faul.” usw., dann hast du die Person gerichtet. Du hast dich über sie erhoben (Stolz) und vergessen, dass deine Kraft auch nur Gnade ist. Dieses Gericht kommt auf dich zurück (du fällst aus der Gnade, gemeint ist in dem Zusammenhang aus der Befähigung, nicht aus der Errettung) und es kann gut sein, dass es dir plötzlich auch nicht mehr leicht fällt. Stolz führt zu Fall. Dem Demütigen aber gibt Gott Gnade.

Es gibt widerholt auch Fälle, wo sich Christen öffentlich über die Sünden und Versagen anderer Christen aufregen, brüsten, sich entrüsten usw., nur um dann wenig später in denselben Dingen gefunden zu werden… Dasselbe Prinzip dahinter. Sie richten die Handlungen des anderen und vergessen, dass es auch für sie selbst nur aus Gnade klappt. Ohne die Gnade kann uns allen dasselbe passieren.

Es mag jemand einwenden: “Aber die Dinge waren doch wirklich falsch!” Ja, das stimmt und es geht hier auch nicht ein bisschen darum, falsches Verhalten zu rechtfertigen oder zu verharmlosen. Aber wir alle können nur durch die Gnade den richtigen Weg gehen. Vergesse ich das und verachte (“richte”) meinen Nächsten, kommt es auf mich zurück! Es geht um das Herz!

Jesus erklärt das idirekt im Anschluss unserer Verse in 3- 5 aus Matthäus 7:

Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge! Und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.

Interessant hier: Der Splitter ist wirklich da! Vielleicht ist die andere Person wirklich faul, vielleicht hat die andere Person wirklich gesündigt und Mist gebaut… Es ist also eine richtige Info! Aber bevor ich nicht demütig ohne selbstgerechtes Gericht und stolzer Überheblichkeit damit umgehen kann, habe ich wohl selber einen Balken im Auge (in dem Fall ist es auf jeden Fall Stolz, was echt ein ziemlich fetter Balken ist). Wird der Balken entfernt (Demut und Umkehr), kann ich dem anderen wirklich helfen. Ich nutze dann meine Gnade, um Gnade zu geben. Ich nutze meine Befähigung, um Befähigung zu geben. Statt zu richten und zu verurteilen, bete und segne ich, biete Hilfe an, zeige Auswege auf, ja, wahrscheinlich konfrontiere ich sogar! Aber in meinem Herzen ist die Gewissheit: Es ist alles Gottes gandenvolle Befähigung, ohne die ich nichts habe und kann und genau die will ich auch meinem Nächsten weiter geben. Nichts anderes!

Die Person sah den Splitter im Auge. Doch erst, nachdem der Balken im eigenen Auge entfernt ist, nannte Jesus das Ganze “klar sehen”. “Klar zu sehen” ist also keine “Sacherkenntnis” (Ich erkenne das Problem des anderen.), sondern eine Sicht mit dem Herzen Gottes. Diese Sicht ist nur möglich, wenn ich erkannt habe, dass alles ein Geschenk ist. Meine Befähigung kommt von Gott! Er gibt mir Gnade, das Richtige zu tun.

 

Gnade und Liebe, Euer Conrad Max Gille

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