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Vollkommen vergeben?!?

Muss man für alle jemals begangenen Sünden um Vergebung bitten, um Vergebung zu bekommen? Wenn ja  – und man hat eine vor seinem Tod vergessen – , was bedeutet das?

Oder, wenn mir vergeben ist, brauch ich dann überhaupt um Vergebung bitten? Ist um Vergebung bitten dann nicht schlecht, wenn mir doch schon vergeben ist?

Dies sind ein paar Fragen, die Viele im Leib Christi gerade bewegen und worüber heiß diskutiert wird. Ich möchte gerne versuchen, eine Lösung anzubieten.

Der neue Bund

Jesus sagt das:

… und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben; und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen! -Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euer Vater eure Vergehungen auch nicht vergeben.            - Matthäus 6, 12- 15

Ziemlich deutliche Ansage. Das Maß der Vergebung, welches ich von Gott dem Vater bekomme, ist abhängig von dem Maß, mit dem ich denen vergebe, die gegen mich gesündigt haben. Heftig. Wenn ich also nicht vergebe, vergibt mir Gott auch nicht.

Doch gibt es ja noch andere Schriftstellen zum Thema:

Seid aber zueinander gütig, mitleidig, und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat! – Epheser 4, 32

Und euch, die ihr tot wart in den Vergehungen und in dem Unbeschnittensein eures Fleisches, hat er mit lebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat. – Kolosser 2, 13

Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr! – Kolosser 3, 13

Ich schreibe euch, Kinder, weil euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen. – 1. Johannes 2, 12

Völlig gegensätzliche Botschaft! Vier Schriftstellen, die eindeutig klar stellen, dass Gott uns vergeben hat und das sogar die Vorlage für uns ist, wie wir jetzt anderen vergeben sollen.

Was jetzt? Nun, Gott ist nicht verwirrt und die Bibel ist von Gott eingegeben. Er widerspricht sich nicht. Was unterscheidet die erste Schriftstelle von den anderen vier? Richtig, die aus Matthäus ist vor dem Kreuz, die anderen nach dem Kreuz.

Wir müssen das Wort in „gerade Richtung schneiden“. Eine der klarsten Wege, das zu tun, ist die Bündnisse zu unterscheiden.

Denn wo ein Testament ist, da muss notwendig der Tod dessen eintreten, der das Testament gemacht hat. Denn ein Testament ist gültig, wenn der Tod eingetreten ist, weil es niemals Kraft hat, solange der lebt, der das Testament gemacht hat. – Hebräer 9, 16+17

Was wird deutlich? Genau, das Neue Testament oder der Neue Bund fängt nicht mit dem „Neuen Testament“, also den Evangelien an, sondern mit Jesu Tod und Auferstehung. Wir leben in diesem Neuen Bund! Wir leben auf dieser Seite des Kreuzes. Wir leben in den Auswirkungen des vollbrachten Werkes Jesu am Kreuz. Wir sind die, die davon profitieren. Wir haben unser neues Leben aus dieser unfassbaren Liebestat Jesu empfangen.

… und nicht mit Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und hat uns eine ewige Erlösung erworben. - Hebräer 9, 12

Jesus hat uns dort eine ewige Erlösung erworben und uns all unsere Schuld vergeben. Ganz klarer Fakt dabei ist, dass all unsere Sünden noch in der Zukunft lagen, als das geschah. Doch das ist noch nicht mal ausschlaggebend. Gott ist außerhalb von Raum und Zeit und das Lamm ist geschlachtet worden vor Grundlegend der Welt (siehe Offenbarung 13, 8). Fakt dabei: Er trug alle Sünden, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft! „Siehe das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt wegnimmt.“ (Johannes 1, 29).

Noch mehr Schriftstellen?

Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat, nämlich dass Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete und in uns das Wort von der Versöhnung gelegt hat. – 2. Korinther 5, 18+ 19

Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes… – Römer 5, 10

Ist Versöhnung möglich ohne Vergebung? Kann Gott sich mit uns versöhnen (als wir noch Feinde waren, also bevor wir irgendwas richtig gemacht haben), ohne uns zu vergeben? Lebt Gott etwa in Unvergebenheit? Sagt Er uns etwa, wir sollen vergeben, ohne es selber zu tun? Fordert Er von uns, wozu Er selbst nicht bereit ist?

Noch ein paar Fragen: Wenn du dir unsicher bist, ob dir auch wirklich alles vergeben ist, wie sollst du kühn und mutig in Seine Gegenwart kommen? Wie jemals frei von Anklage und Verdammnis leben, obwohl es dir in der Schrift versprochen ist? Wie kannst du überhaupt mit Heilsgewissheit leben? Was wenn du doch noch eine unbewusste Sünde getan hast, oder sie war dir sogar bewusst (z.B. Gedankensünden), aber du hast vergessen dafür um Vergebung zu bitten? Und dann stirbst du und stehst vor Gott und dir ist nicht vergeben? Wie wird jetzt für diese nicht vergebene Sünde bezahlt? Hölle? In letzter Konsequenz die einzige Alternative, wenn ich glaube, dass ich für jede einzelne Sünde um Vergebung bitten muss, um Vergebung zu empfangen. Da sollte jeder, der das glaubt, auch konsequent genug sein und es so benennen.

Nein, irgendwas stimmt da nicht. Gott hat uns in Christus vergeben! So ist das. Es ist die Auswirkung des vollbrachten Werkes am Kreuz. Für dich und für mich wurde bezahlt und zwar mit nichts weniger als dem kostenbaren Blut des Sohnes Gottes! Die Schuld wurde beglichen! Unsere Bußübungen retten uns nicht, sondern Sein Werk vom Kreuz hat uns gerettet! Wir beugen unsere Herzen und empfangen dieses Werk vertrauensvoll, demütig und dankbar in unser Leben. Es muss uns klar sein: Wir können es nicht durch irgendetwas erwirken, da es schon erwirkt wurde! Was übrig bleibt, ist Vertrauen darauf.

(Und nein, ich spreche nicht von Allversöhnung, der Lehre, dass alle sowieso in den Himmel kommen. Die Schrift ist an mehreren Stellen ziemlich deutlich, dass einem diese Erlösung nichts bringt, wenn man sie nicht im Glauben empfängt. Ich kann einen Brief bekommen, der mich über meinen Gewinn als Lottomillionär informiert. Doch wenn ich ihn nicht öffne, nutzt es mir gar nichts. Ich bin legal ein Millionär, aber es nutzt mir nichts, denn ich weiß nichts davon und kann es so nicht in Anspruch nehmen. So ähnlich ist das mit der Erlösung/ Vergebung. Gott hat es getan. Er hat die Welt in Christus umarmt. Doch ob wir Seine Umarmung erwidern wollen, oder ablehnen, das ist unsere Entscheidung und bestimmt unsere Erfahrung. Ohne Glauben an die Wahrheit, habe ich nichts von der Wahrheit. „Denn auch uns ist eine gute Botschaft verkündigt worden, wie auch jenen; aber das gehörte Wort nützte jenen nicht, weil es bei denen, die es hörten, sich nicht mit dem Glauben verband.“ Hebräer 4, 2)

Doch warum dann Matthäus 6? Was will uns Gott damit sagen, wenn Er meint wir sollen vergeben, damit Gott uns vergibt? Zuerst einmal kann Er uns, den Glaubenden unter dem Neuen Bund, nicht sagen, dass Seine Vergebung von unserer abhängt. Das wäre gegen Sein eigenes Werk am Kreuz und könnte man als Werksgerechtigkeit bezeichnen, in der es immer auf unsere eigenen Leistung vor Gott ankommt, anstatt auf Seine Leistung. Und das ist Gott ein Gräuel (lies den Galaterbrief)! Alles vor dem Kreuz muss durch das Kreuz betrachtet werden, auch das, was Jesus in wörtlicher Rede sagt. Aber was sagt Jesus denn dann? Im Kontext mit anderen Parabeln über Vergebung gibt es eine unmissverständliche Botschaft: Wenn wir nicht vergeben, bleiben wir in Gefangenschaft! „Nicht zu vergeben ist wie Gift trinken und erwarten, dass die Ratte stirbt.“ sagte mal jemand. Unvergebenheit schadet uns, nicht dem, dem wir nicht vergeben. Wir bleiben in einem Gefängnis, obwohl wir den Schlüssel zur Tür in der Tasche haben. Der Schlüssel heißt „Vergeben, wie Gott mir vergeben hat“.

Doch von wem lernen wir vergeben? Richtig, von Gott Selbst! Er ist unser Lehrer! Und Jesus ruft noch am Kreuz, unschuldig leidend für unsere Sünden: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“. Dasselbe Gebet spricht später Stephanus, als er wegen seines Glaubens gesteinigt wird. Von wem hat er wohl gelernt? Man sollte anders fragen: Was hat ihn befähigt so etwas zu beten? Die Erkenntnis seiner eigenen empfangenen Vergebung in Jesus Christus!! Warum fällt es vielen Christen so schwer, anderen zu vergeben? Warum schreien so viele nach „Gerechtigkeit“ (und meinen Rache), wenn ihnen jemand was Falsches angetan hat? Warum rufen wir immer noch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, als ob wir noch unter dem alten Bund leben würden? Weil wir die Vergebung, die wir in Christus haben, nicht verstanden haben! Würden wir das radikale Ausmaß Seiner Vergebung uns gegenüber verstehen, wäre die Frage der Vergebung anderen gegenüber nicht mehr so schwer zu beantworten. Jesus hat es Sein Leben gekostet. Uns kostet es ein herzliches „natürlich vergebe ich“. Aber da wir noch so sehr auf uns selbst fixiert sind, unser Recht suchen, denken Vergeltung mache uns glücklich, die Weisheit der Welt noch in unserem Kopf steckt… ist es so schwer los zu lassen. Und dabei schaden wir uns selbst und beweisen, dass wir nicht verstehen, wie tiefgreifend Gottes Vergebung uns gegenüber eigentlich ist.

 

Viel oder wenig vergeben?

Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. – Lukas 7, 47

Also, wenn du nicht so dolle gesündigt hast wie ich, dann wirst du also nicht so dolle lieben wie ich… Wirklich?!? Na, ich denke, das ist ein bisschen anders. Wenn wir verstehen würden, wie rettungslos verloren wir waren, wie absolut ohne Hoffnung, ohne jegliche Chance auf Heilung, dann würde sich was ändern in unserem Denken! Selbstverbesserung, Selbsterlösung, durch gute Werke meinen sündigen Zustand verbessern wollen… alles eine Unmöglichkeit!! Jesus nannte uns „Söhne des Teufels“! Des Teufels hässliche Natur war in uns, weil unserer aller Identität „in Adam“, also im gefallenen Zustand, war. Jede noch so kleine Sünde verdient den Tod und kann auf menschlichem Weg nicht gesühnt werden. Anders ausgedrückt: Die Vergebung eines bösen Gedanken brauchte schon den Tod Jesu am Kreuz. Und jetzt denken wir noch mal über „große und kleine Sünden“ nach. Für deine Sünde reichte ein Tropfen Seines Blutes, für meine war ein Eimer nötig? Nein, uns allen ist VIEL vergeben!! Weshalb auch ein jeder in der Lage ist in ein „viel lieben“ einzutreten. Der einzige Unterschied: Manche verstehen das durch ihre katastrophalen Fehltritte schneller als andere. Aber der brave, nette Atheist von nebenan braucht das Blut Jesu genauso sehr wie der drogenabhängige Frauenmörder im Gefängnis. JEDEM ist EXTREM VIEL vergeben!!

Diese Erkenntnis führt wieder zu einem genialen Ergebnis: Mir ist vollkommen vergeben! Und Lobpreis und Anbetung explodiert aus uns raus und fließt über in die Umgebung in Wort und Tat! Wir lieben viel! Danke Jesus!!!

 

Was ist mit 1. Johannes 1 Vers 9?

Gute Frage! Lesen wir ihn erstmal, auch mit Versen 8 und 10:

Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. – 1. Johannes 1, 8- 10

Da haben wir es wieder: Nur eine bekannte Sünde, ist eine vergebene Sünde. Nach all unseren vorigen Erkenntnissen natürlich erstmal ein schwer zu schluckender Vers. Und er wird auch immer wieder gerne gebraucht, um die Lehre der „Freiheit von Sünde“ in Frage zu stellen. Und ja, es hört sich auch tatsächlich erstmal sehr einleuchtend an. Und der Vers ist ja auch eine gute Nachricht, nämlich dass bei Bekennen meiner Sünde Gott mich auch von den Auswirkungen dieser Ungerechtigkeit befreit! So gut! Das ist auf jeden Fall genial und im Grunde auch wert, viel mehr gelebt und im Leben erwartet zu werden. Aber auf der andere Seite keine gute Nachricht, falls ich doch ein paar Sünden über die Zeit meines Lebens vergessen habe und schlussfolgernd ihre Konsequenzen tragen muss – in diesem Leben und im kommenden.

Doch schauen wir doch mal genauer auf den Kontext und wir werden ein ziemlich klares Bild bekommen. Wir fangen einfach am Anfang des Briefes an und arbeiten uns vor.

1. Johannes 1, 1- 3b:

Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens – und das Leben ist offenbart worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns offenbart worden ist -, was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch,…

Diese Bibeltexte waren Briefe, welche öffentlich vorgelesen wurden. Johannes bringt hier eigentlich einen klassischen Ablauf einer Botschaft, die an ein gemischtes Publikum von Christen und nicht Christen geht. Erst gibt er quasi Zeugnis seines eigenen Erlebens weiter. Er bezeugt das „Wort des Lebens“ und verkündigte dann dieses Leben seinen Zuhören. Mit welchem Ziel? Lesen wir weiter.

1. Johannes 1, 3+ 4:

…, was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei.

Er verkündigt sein Zeugnis über Jesus Christus mit dem Ziel, dass auch seine Zuhörer in eine bestimmte Gemeinschaft rein kommen. In welche Gemeinschaft? Die Gemeinschaft, die Christen mit dem Vater und dem Sohn haben! Er lädt die Zuhörer ein zu erfahren, was auch er und seine Brüder und Schwestern erfahren: Gemeinschaft mit Gott! Wer wird also angesprochen? Jedenfalls keine Christen, denn die haben diese Gemeinschaft ja schon! Die Vermutung liegt nah, dass er gerade Menschen anspricht, die Jesus nicht kennen. Doch lesen wir weiter.

1. Johannes 1, 5- 7:

Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: dass Gott Licht ist, und gar keine Finsternis in ihm ist. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde.

Hier betont Johannes nochmal den Charakter Gottes: Er ist nur gut! Er ist Licht! Er hat nichts mit der Dunkelheit (dem Bösen) zu tun! Damit macht Johannes auch klar, dass das Zeichen dieser Gemeinschaft mit Gott daher auch darin sichtbar wird, dass auch unser Leben heller und heller wird und damit siegreich über der Sünde steht. Wer Gemeinschaft mit Ihm hat, wandelt nicht in Finsternis, sondern in ungetrübter Gemeinschaft mit Gott und Geschwistern und erlebt die reinigende Kraft des Blutes, die von jeder Sünde reinigt.

Schon allein hier sollte uns auffallen, dass jemand, der im Licht der Gemeinschaft Gottes wandelt, einen Zustand hat, der sich unter anderem „gereinigt von jeder Sünde“ nennt. Also ein vollkommen vergebener Zustand, frei von Sünde! Wow!

Jetzt kommen unsere vorher erwähnten Verse. Lesen wir sie noch mal.

1. Johannes 1, 8- 10:

Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.

Wird es jetzt schon deutlich? Warum betrügt man sich selbst, wenn man sagt „Ich habe keine Sünde!“? Weil man die Erlösung, die Gemeinschaft mit Gott, nicht empfangen kann, ohne seinen bedürftigen und aus menschlicher Sicht erbärmlichen Zustand einzugestehen! Johannes spricht Menschen an, die noch nicht in der Gemeinschaft mit Gott sind! Und wie kommt man in diese Gemeinschaft? Wie kommt man ins Licht? Wie wird man frei von Finsternis? Indem man anerkennt, dass man Vergebung braucht, dass man ein Sünder ist und gesündigt hat, dass man sich nicht selbst religiös verbessern kann! Dies schienen einige dieser Zeit nicht anerkennen zu wollen (Was auch zu der gnostischen Irrlehre passt, die in dieser Zeit gerade stark hervorkam und gegen die Johannes später noch viel klarer schreibt.). Sie wollten wohl durch mentales Training, eigene Ideen und Philosophien ihren Weg zu Gott finden. Und Johannes sagt klar: Du betrügst dich selbst. Oder aber nach Vers 10: Wenn wir nicht als Rettung brauchende Sünder zu Ihm kommen, um Vergebung und Erlösung zu empfangen, ist Sein Wort nicht in uns. Oder aber: Sind wir keine Christen! Wir haben die einzige Chance auf Erlösung abgelehnt, weil wir nicht zugegeben wollten, dass wir Vergebung und Erlösung unserer Sünden brauchen.

Wer es aber anerkennt, was passiert mit dem? Der empfängt Vergebung und erfährt eine Reinigung von jeder Ungerechtigkeit! Was heißt das? Er wird gerecht gesprochen in und durch Christus! Na das passt doch!

Erster Johannes 1 Vers 9 geht also hauptsächlich an Christen. Das sollte ziemlich klar sein. Wem es noch nicht reicht – lesen wir einfach den nächsten Vers, der in Kapitel 2 kommt (eine neues Kapitel startet, aber in den ursprünglichen Schriftrollen gibt es die Kapitel nicht, sondern der Text geht einfach weiter).

1. Johannes 2, 1+2:

Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand sündigt – wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.

Was fällt als erstes auf? Genau, das Publikum hat sich geändert. Es geht los mit „Meine Kinder…“. Jetzt sind wir Christen der Hauptfokus und Johannes weißt auf das Resultat seiner vorherigen Zeilen hin: ein heiliges Leben im Licht durch die Kraft des Kreuzes, völlig vergeben, gerecht in Christus und siegreich über Sünde (weshalb die vorherigen Zeilen trotzdem auch für Christen eine Bedeutung haben und eben an ein gemischtes Publikum gingen)!

Wird es klar? Den Nicht-Christen macht er den Weg in die Gemeinschaft mit Gott klar. Die Christen erinnert er daran, was diese Gemeinschaft bedeutet: Vergeben, gerecht, siegreich! Er schreibt ihnen die Zeilen dieses Briefes, „damit sie nicht sündigen!“ Das ist interessant, denn wer behauptet nicht zu sündigen („behauptet keine Sünde zu haben“ oder „behaupten nicht gesündigt zu haben“ 1. Joh 1, 8 und 10), betrügt sich doch eigentlich selbst und Gottes Wort ist nicht in ihm, wie gerade erst paar Zeilen vorher in Kapitel 1 erwähnt… Voll der Unterschied in Kapitel 2 zu Kapitel 1! Er richtet sich an zwei verschiedene Zuhörergruppen!

Doch es geht weiter: Wenn ein Christ doch sündigt (es ist ihm noch möglich, doch besteht wohl eindeutig auch die Möglichkeit, es in der Kraft und Gnade Gottes nicht zu tun), dann hat er einen Beistand, Jesus Christus den Gerechten, der die Sühnung für unsere Sünden ist. Wieder ein anderer Umgang mit der Sünde zu Kapitel 1! Der angesprochene Nicht-Christ in Kapitel 1 muss bekennen, dass er gesündigt hat. Aber der Christ, der die Erlösung empfing, aber sich vom Betrug der Sünde belügen lassen hat, soll sich zu Jesus und Seiner Gerechtigkeit wenden, statt auf sich und sein Versagen zu schauen! Warum? Weil ihm in Christus bereits vergeben ist und er dort die Kraft bekommt, siegreich zu überwinden! Ohne Verdammnis, Anklage und Scham! Er kommt zu Gott, nicht um Vergebung gegen Buße zu tauschen, sondern um befähigende Kraft und Sicherheit in der Annahme Gottes zu finden, um aus dem Fehltritt wieder raus zu kommen und nicht nochmal rein zutreten! Und natürlich kommt er zu Gott mit dem Fehltritt. Seine Motivation ist nicht weiter Mist zu machen. Ihm ist klar, dass er im Licht der Erwählung Gottes unterhalb seiner Möglichkeiten lebte und das Ziel verfehlte. Aber Sündenfokus und Selbstmitleid werden ihm jetzt nicht helfen. Christusfokus und die Gerechtigkeit in Ihm aber schon!

Und damit es ganz deutlich wird, fügt Johannes unter der Leitung des Heiligen Geistes noch hinzu, dass Christus nicht nur die persönlich empfange Sühnung der Schuld ist, sondern die der ganzen Welt! Also doch schon vergeben, bevor man um Vergebung bat… Die Umkehr von meinen eigenen Wegen hin zu Gottes befähigende Gnade hat diese Vergebung einfach in meinem Leben wirksam gemacht. Und nun, völlig vergeben und rein, sollen meine Augen auf meiner Befähigung bleiben: Jesus Christus.

Wem das immer noch nicht reicht, für den kann ich noch eine weitere Baustelle öffnen. Also, bevor du weiterliest: Überlege, ob du Gott erlauben möchtest, dein Gehirn noch mehr zu schmoren:

Und ihr wisst, dass er offenbart worden ist, damit er die Sünden wegnehme; und Sünde ist nicht in ihm. Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht; jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen noch ihn erkannt. Kinder, niemand verführe euch! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie er gerecht ist. Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an. Hierzu ist der Sohn Gottes offenbart worden, damit er die Werke des Teufels vernichte. Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. - 1. Johannes 3, 5- 9

Derselbe Author, im selben Brief, im dritten Kapitel sagt (und wie gesagt gab es ursprünglich keine Kapitel, es ist also ein Fluss):

- Jesus wurde offenbar, um die Sünde wegzunehmen
- wer in Ihm bleibt, sündigt nicht
- wer sündigt, kennt Ihn nicht
- wer in Gemeinschaft mit Ihm lebt, lebt heilig und gerecht (weil er gerecht und heilig ist durch Ihn)
- Jesus Christus, der Sohn Gottes, kam, um die Sünde mit all ihren hässlichen Folgen (Werken) zu vernichten
- wer aus Gott geboren ist, sündigt nicht, ja, kann nicht sündigen

Bevor wir uns kurz diesen schockierenden Aussagen widmen: Dies schreibt derselbe Author, der im selben Brief 2 Kapitel vorher geschrieben hat, dass jemand Gott nicht kennt und Gott zum Lügner macht, wenn er behauptet, nicht gesündigt zu haben. Mal abgesehen von der Radikalität der hier in Kapitel 3 genannten Aussagen sollte nun vollständig klar sein, dass 1. Johannes 1 Vers 9 nicht an Christen gerichtet sein kann. Wenn du bekannt hast, dass du ein Sünder bist und einen Erretter brauchst und Jesus Christus als diesen Erretter angenommen hast, IST DIR VERGEBEN! Und zwar Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ganz korrekt müssten wir sogar sagen, dass dir schon vorher vergeben war, es war nur nicht wirksam für dich, weil du es nicht glaubensvoll empfangen hast. Solange deine Hoffnung allein auf Christus liegt, kannst du für immer in dieser Realität „vollkommen vergeben“ leben! Oh welch herrliche Hoffnung!! Du bist kein Sünder mehr, du bist heilt und gerecht!

Und was wir jetzt hier im ersten Johannesbrief weiter sehen, ist die konsequente Fortführung dieser Erlösung, wenn sie gelebt wird: Sie produziert aus Gnade dasselbe Leben in uns, wie es Jesus Christus hat. Da Er ja in uns wohnt, ist das eigentlich ja auch logisch. Siegreich, überwindend, gerecht, heilig, die Werke des Teufels vernichtend! Das bist du! Kein Sklave mehr, kein Waisenkind, sondern ein mündiger Sohn, eine mündige Tochter Gottes, voll des Heiligen Geistes, voll der Gnade, heilig und gerecht!

(Die restlichen Aussagen aus Kapitel 3 lasse ich erstmal so stehen. Ich will kein neues Buch hier draus machen und überlasse dem Leser, sein Herz unter diese Schriftstellen zu beugen und sich vom Heiligen Geist überraschen zu lassen, was möglich ist.)

 

Sündigen, weil mir vergeben ist?

Im Kontext sehen wir schon, wie die Erkenntnis der vollkommen Vergebung, die geschenkte Gerechtigkeit in Christus und meine durch Ihn gewirkte Heiligkeit – wenn richtig verstanden und im Herzen ergriffen – zu einer Sache schon mal nicht führen kann: mehr zu sündigen.

Manche haben die Angst, dass Menschen losrennen und hemmungslos sündigen, wenn sie von bedingungsloser Vergebung hören. Deshalb predigen sie es nicht. Lieber halten sie die Schafe in Unmündigkeit und mit ein bisschen Gesetz unter Kontrolle, als der überschwänglichen Gnade Gottes zu vertrauen, welche unsere einzige Hoffnung auf Freiheit von Sünde ist (siehe Römer 6, 14).

Und das Ergebnis? Nun, es ist ernüchternd. Denn ehrlich gesagt habe ich dadurch keine heilige Gemeinde gesehen… Was ich aber bei den Menschen sehe, die Gottes herrliche Gnade in ihrer Auswirkung erkennen, ist Hingabe, Liebe, Freude, und wenn man es denn messen könnte: Ein sehr viel „heiligeres“ Leben (Ihr Leben ist einfach transparent und echt, klar und deutlich und frei vom bösen Gewissen. Sie leben einen fröhlichen, heiligen Lebensstil frei von Heuchelei und frommen Getue) Ich habe noch nie einen kennen gelernt, der wegen dieser Botschaft los rannte und richtig los sündigte, weil ihm ja vergeben ist. Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Ich sehe fröhliche Menschen, die lernen aus Seiner Kraft zu leben und damit sehr viel siegreicher unterwegs sind. Sie leben aus der Gabe der Gerechtigkeit und dem Geschenk der überfließenden Gnade (siehe Römer 5, 17) siegreich über Sünde! Ihr heiliger Lebensstil wird offenbar in krampflosen Vertrauen an das von Christus vollbrachte Werk am Kreuz! Sie sind Glaubende, nicht „sich noch mehr anstrengende“.

Weiter erlebe ich, wie Menschen von Angst, Bedrückung, Panik, Anklage, Verdammnis und auch den oft dazu kommenden körperlichen Beschwerden und Süchten loskommen! Warum? Weil Freiheit von Verdammnis natürlich die Sicherheit meiner Vergebung voraussetzt! Das sind eigentlich Grundlagen des Evangeliums! Jesus kam, um die Gefangenen zu befreien, nicht ihnen neue Ketten anzulegen. Glaube das Evangelium!! Du hast Jesus Christus als Herrn angenommen? Dir ist vergeben!! Glaube es und freu dich!

 

Um Vergebung bitten?

Manche wollen, dass du für jede Sünde deines Lebens explizit um Vergebung bittest. Andere sagen, du brauchst gar nicht mehr um Vergebung bitten und es sei sogar Unglaube, wenn du es tust. Nun, die erste Position ist pure Werksgerechtigkeit. Wenn Dir Dinge auffallen (ohne dass du danach gesucht hast), dann bring sie zu Jesus. Aber danach zu suchen mit dem Gedanken dahinter, dass sie nicht vergeben sind, wenn du sie nicht findest, ist ein Weg der Selbsterlösung. Mach es nicht. Wirf dich auf Jesus und in Seinem Licht und Seiner Liebe wird alles, was nicht in dieses Licht und diese Liebe passt, schon sichtbar werden. Doch was dann? Was, wenn mir Sachen auffallen, die nicht ok sind? Was, wenn ich einen Fehler gemacht habe? Bitte ich als Christ um Vergebung, oder nicht?

Nun, lass mich mal direkt sagen: Ich tue es. Es kommt sogar sehr sehr schnell über meine Lippen, wenn ich es bemerke. Doch die Motivation dahinter ist entscheidend: Ich tue es nicht, damit ich Vergebung bekomme! Ich tue es, um eine bestmögliche Beziehung mit meinem himmlischen Vater zu haben. Es hat also für mich weniger einen theologischen Aspekt, als einen Kommunikationsaspekt. Und zu einer gesunden und guten Kommunikation gehört das Verantwortung übernehmen für meine erkannten Fehler und das richtig stellen den Personen gegenüber, die involviert sind.

Denken wir einfach mal an eine Ehebeziehung. Wenn ich mich mich meiner Frau gegenüber falsch verhalten habe (In unserer knapp 15 jährigen Ehe ist das natürlich schon 20 Jahre her… ;) und es bemerkt habe, gehe ich zu ihr und bitte sie um Verzeihung. Ich sage „Es tut mir leid, dass ich mich da so benommen habe, bitte vergib mir.“ Nun, meine Frau, eine Frau Gottes, sagt vielleicht: „Schatz, natürlich vergebe ich dir und habe es auch schon lange getan!“ Sie hat mir also schon vergeben. Trotzdem bitte ich sie drum. Warum? Weil es die Intimität und Gemeinschaft fördert. Freunde machen das so.
Gerade in Ehen wird man eigentlich grundlegend immer gelehrt, dass man bei einem Fehler des Partners nicht darauf wartet, dass er den Fehler bemerkt, bevor man vergibt. Das kommt aus dem Wissen, dass die Person, die in Unvergebenheit lebt, eben sich selbst schadet (auf das noch oben drauf, weswegen man nicht vergeben will). Warum denken wir, dass Gott sich uns gegenüber anders verhält? Warum denken wir, dass Er da oben in Unvergebenheit und bitterem Herzen sitzt, bis wir es gecheckt haben, bevor Er uns vergibt? Er, der uns auffordert zu vergeben wie Er es tut, der voller Liebe und Geduld ist, der Zornausbrüche als Werke des Fleisches benennt, der jede Wurzel der Bitterkeit aus uns raus haben will… Merkwürdiger Gedanke.

(Ich will hier nicht näher auf das Thema Vergebung untereinander eingehen, da es natürlich noch Dinge wie „Vertrauen wiederherstellen“, „geistgeleitete Grenzen setzen“ und mehr beinhaltet, was nicht das Hautthema des Artikels ist.)

So, da stehen wir. Gott hat mir alle meine Schuld vergeben. Dies Vergebung in Christus kann ich immer weiter glaubensvoll empfangen. Und ich darf auch gerne sagen „Es tut mir leid und bitte vergib mir!“ Oder, wem es besser gefällt: „Es tut mir leid und ich empfange deine Vergebung, Vater!“ Es kann sogar sein, dass die Erkenntnis deiner Fehler dich zum weinen und schluchzen führt und du unter Tränen ruft „BITTE VERGIB MIR!!!!“ Das ist eine super Sache! Das ist kein Unglaube! Es ist eine Erkenntnis des eigenen Versagens im Licht Seiner Wahrheit. Im Grunde super heilsam, besonders, wenn man ohne Gott lebte und meinte man braucht Ihn nicht und dann seinen ekligen und hochmütigen Stolz erkennt und sich nach der wiederhergestellten Beziehung mit Gott sehnt! Doch eins sollst du wissen: DIR IST VERGEBEN! Empfange es. Nimm es. Sage Danke! Freue dich! Die wird nicht mehr vergeben, weil du öfter danach rufst. Es ist vollbracht!

Dein Herz sollte folgendes ganz fest wissen: Dein Vater sitzt dir nicht grollend gegenüber, voller Unvergebenheit und Bitterkeit und wartet darauf, dass du es endlich checkst. Er hat bezahlt! Dir ist vergeben. Und das ein für alle Mal! Wirf dich glaubensvoll auf diese Wahrheit in Christus, umarme sie, empfange sie voller Dankbarkeit, trinke den Fluss Seiner Gnade, verlass dich allein auf Christus und Sein Werk am Kreuz!

In Liebe und Gnade, Euer Conrad Max Gille

 

Für mehr zum Thema „siegreich leben“ empfehle ich mein Buch „Freiheit ruft“, hier zu erwerben: www.conradmaxgille.de

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